Warum Männer für Frauen zahlen

Dies ist die Transkription einer merkwürdigen Aufstellung, die während eines Geld-Seminars stattfand. Der Artikel ist der erste Teil einer dreiteiligen Fortsetzung mit dem Thema „Geld-Aufstellungen“.

Im Kreis der sitzenden Seminarteilnehmer steht in einer Ecke ein Mann. Er hat ein Problem – er fühlt sich viel zu sehr als der Ernährer: „Ich verdiene gutes Geld und ernähre auch meine Frau. Eigentlich bezahle ich alles. Das ist für mich ok, aber manchmal habe ich Zweifel, ob das Geben und Empfangen ausgeglichen ist. Und der Zweifel kann nicht weggeschoben werden, er steckt mir unter der Haut, und wenn er rauskommt, wird es mit jeder bezahlten Rechnung in einem Restaurant oder jedem gebuchten Urlaub schlimmer.“

Ihm gegenüber steht seine Frau. Sie ist wunderschön. Sie schaut den Mann an und schweigt.

Neben den Mann stellen wir einen von ihm ausgewählten Vertreter für sein Geld auf. Wir nennen ihn „Geld“, obwohl er auch ein Mann ist. Er ist unruhig und will sich bewegen. Vielleicht würde er gerne spielen, laufen, rollen. Aber er weiß nicht, wohin und mit wem.

Nun schaut der Mann auf Geld, packt es und stellt es vor sich, damit es die Frau ansieht.
Und dann schubst er es ein wenig: „Dann geh, geh zu ihr!“

Im selben Augenblick wendet sich die Frau jedoch ab, als wolle sie gehen. „So fühle ich mich schuldig“, sagt sie, „als ob ich dankbar sein sollte für das, was er mir gibt. Mich interessiert er und nicht sein Geld.“ Das macht den Mann ratlos. Und das ist für jeden Mann das Schlimmste, noch schrecklicher, als ein Verlierer zu sein. Selbst eine Niederlage ist leichter zu verkraften als die Unfähigkeit, etwas zu tun, als das Nicht-Vorhandensein einer Lösung.

Deswegen denken wir Männer ohne Unterlass über Anleitungen und Pläne nach, deshalb sitzen wir in Gremien und Aufsichtsräten oder pilgern nach Davos, Zürich oder New York. Und es ist auch der Grund dafür, warum es in der Welt solche Mengen an Beratern gibt aber nur wenige Beraterinnen. Deshalb adorieren wir die Perioden des Wachstums und fürchten Stagnation und Konkurs. Und deshalb ist der Tod nicht mehr unter uns, weil er auf Intensivstationen oder in die Dritte Welt weichen musste, denn der Tod ist das Letzte, was dem Mann und seiner Lösung noch trotzt. „Ich weiß nicht weiter“, gesteht der Mann, „mein Kopf ist ganz leer.“

Und tatsächlich – das Geld tritt beiseite, so dass neben dem Mann nun eine Leere klafft. In diesem Augenblick dreht sich die Frau wieder um und sieht ihn an. In ihren Augen ist Liebe. Wieder sagt sie nichts. Aber ihr Schweigen scheint den Mann zu inspirieren, und etwas in ihm beginnt zu schaffen. Er erzeugt, ohne etwas zu tun. Und die ganze Zeit sieht er die Frau an.

Geld bewegt sich um den Mann herum und plötzlich steht es dort, wo die Leere war. Fiat Lux! Haben wir keine „Fiat-Währung“? Kein Geld, das aus „nichts“ erschaffen wird, durch nichts gedeckt ist?

Das Geld schaut zur Frau: „Sie zieht mich an!“ Und es bewegt sich, Schritt für Schritt, von der Leere zur Fülle, vom männlichen Prinzip zum weiblichen. Wie konnte die Frau es auch nicht anziehen, diese Gravitations-Graviditätsgöttin, Mutter der Erde, Luna, Gebärmutter aller und ewige Blumenkraft. Es kommt zu der Frau und lässt sich umarmen. Aber sie schaut dabei unablässig den Mann an. Und wird immer schöner.

Und nun, in der Leere neben dem Mann, die durch das Weggehen des Geldes wieder da ist, erscheint weiteres Geld. Und noch eins. Die Stellvertreter-Gestalten sprießen wie die Pilze aus dem Boden. Sie schwärmen aus. Denn der Mann schöpft aus dem Nichts, inspiriert durch die Frau. Sollten wir eine Inflation befürchten? Warum denn, wenn das neu geschaffene Geld in das Leben fließt, zum weiblichen Prinzip, zur Göttin. Es dient der Frau, damit sie Schönheit und Fülle schafft, um den Mann zu be-geistern. So bewegen sich, einer nach dem anderen, die neu auftauchenden Geld-Vertreter zu der Frau.


Am Ende der Aufstellung bricht die Frau das Schweigen: „Wenn Geld oder irgendeine andere Form von Energie zu mir fließt, bin ich nicht dafür verantwortlich, ob sich der Mann dabei übernimmt. Er selbst muss seine Möglichkeiten im Auge behalten, seine Grenzen des Gebens kennen. Sollte er sich zu sehr verausgaben und erschöpft zusammenbrechen, verlasse ich ihn. Mit Liebe im Herzen, aber mit raschen Schritten.“
„So ist es“, erwidert der Mann und schaut auf die von (ausgegebenem) Geld umgebene Frau, „und das gibt mir paradoxerweise Kraft.“

Im Seminarsaal sitzen zwanzig Männer und zwanzig Frauen in einer Stille, dass man das Geräusch eines fallenden Geldscheins hören könnte. Eine seltsame Aufstellung ist zu Ende. Und wir gehen nach Hause.

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